Setzen wir uns die richtigen Ziele?

Zukunft zu gestalten hängt wesentlichen mit den Zielen zusammen, die wir uns setzen. Doch woran erkennen wir, ob wir die richtigen Ziele verfolgen? Das Modell nach Sir John Whitmore spricht von effektiven Zielen, wenn sie SMART, PURE und CLEAR sind.

Zu der Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Zukunft gehört notwendigerweise auch die Frage, wohin wir uns bewegen möchten. Was wollen wir erreichen? Wie sollen wir leben – als Individuen und als Gesellschaft? Zukunft wird gestaltet, deshalb ist die Formulierung der Visionen, Ziele und Zielvorstellungen von enormer Bedeutung. An Zielen mangelt es uns nicht, weder privat noch gesellschaftlich. Besonders auf nationaler und internationaler Ebene wird in letzter Zeit viel von Zielen und noch mehr von gescheiterten Zielen gesprochen: Kyoto, Rio+20, Sparmaßnahmen, Finanzkrisen. Woran scheitern wir? Setzen wir uns die falschen Ziele oder mangelt es an der Konsequenz in der Umsetzung der dafür notwendigen Maßnahmen?

Die Zukunft ist gut vorhersehbar

Die meisten Personen und Institutionen, die sich mit Zukunftsprognosen, Kalkulationen und Szenarien auseinandersetzen sind sich einig, dass die Zukunft im Grunde sehr gut vorhersehbar ist. Es handelt sich dabei um eine Zukunft im Sinne der Fortführung des Vergangenen. So wird die Vergangenheit analysiert und unter Einbezug aller relevanter Parameter in Richtung Zukunft weiterentwickeln. Die Modelle zur Berechnung solcher Vorhersagen werden immer ausgereifter, komplexer und präziser. Die so kreierten Zukunftsszenarien beschreiben eine Zukunft ohne Überraschungen. Was als überraschend wahrgenommen wird, zeigt lediglich eine Wissenslücke der Betrachterin oder des Betrachters auf. Die Prognosen über die demographische Entwicklung, die Veränderung sozialer, wirtschaftlicher, politischer Parameter sind allgemein bekannt und der Spielraum für Veränderung oder Beeinflussung oft sehr klein.

Innovation als Brückenschlag

Der Brückenschlag zwischen prognostizierter Zukunft und gewünschter Zukunft wird mit dem Buzzword „Innovation“ gemeistert: Das in Modelle eingerechnete Neue und Andersartige, das sich durch Erfindungen ergeben wird. Deshalb ist Innovation der Schlüssel.

Kurzum, Zukunft ist in vielen Bereichen berechenbar, freilich nicht die unmittelbar persönliche sondern die einer definierten Gruppe oder Gesellschaft. Der Grund dafür liegt nicht zuletzt darin, dass Menschen und ihre geschaffenen Systeme grundsätzlich träge sind und Veränderung enorm schwierig ist. Alle, die schon einmal einen Vorsatz verworfen haben, wissen, was gemeint ist.

Wissen ist nur dann Macht, wenn wir danach handeln

"Wissen ist Macht," postulierte einst Francis Bacon und leitete damit das Zeitalter der Aufklärung ein. Dass Macht heute weniger an Wissen und mehr an Kapital geknüpft ist, liegt mitunter an der fehlenden Verantwortung jeder und jedes Einzelnen, sich nach ihrem Wissen (und Gewissen) zu verhalten. So ist die größte Herausforderungen unserer Zeit nicht, Wissen zu verbreiten – denn es ist weit verbreitet – sondern die Menschen dahingehend zu verantworten, Wissen in Handlungen umzusetzen.

Wie können wir Veränderung einleiten?

Aus den Werbebranchen wird uns suggeriert, dass gute Kampagnen Veränderungen herbeiführen. Sie machen sichtbar, etablieren Produkte am Markt, beeinflussen Kaufverhalten. Kampagnen beeinflussen die Wahrnehmung, sie schaffen dahingehend also Aufmerksamkeit oder Wissen. Doch wie erwähnt, reicht Wissen meist nicht aus, um Handlungen zu erzielen. Denn Handlungen basieren stark auf Gewohnheiten, also auf selbst erfahrenen oder überlieferten Lösungsmodellen bereits bekannter und erfolgreich gemeisterter Probleme. Deshalb ist es auch so wichtig, gewohnte Wege zu verlassen, um Veränderungen zuzulassen. Ein wichtiger Schritt dorthin ist die richtige Formulierung von Zielen.

Ziele müssen SMART sein

Was macht also ein gut formuliertes Ziel aus? Die „SMART“-Regel zur Überprüfung von Zielformulierungen kommt ursprünglich aus dem Coaching und findet mittlerweile Anwendung in zahlreichen anderen Bereichen. Sie hilft dabei, Ziele zu präzisieren und auf ihren Gehalt hin zu prüfen. Denn nur ein gut formuliertes Ziel kann auch erreicht werden – das gilt auf allen Ebenen. Ein Ziel ist dann „smart“, wenn es folgende Charakteristika erfüllt:

S pecific (spezifisch). Ein Ziel muss genau beschrieben, also präzise formuliert sein.

M easurable (messbar). Ein Ziel muss messbar sein.
A ttainable (attainable). Ein Ziel muss erreichbar sein, im Sinne einer selbst gesetzten Aktion und nicht abhängig von den Aktionen anderer.

R ealistic (realistisch). Ein Ziel muss realistisch sein.

T ime Phased (zeitlich planbar). Ein Ziel muss zeitlich eingegrenzt und planbar sein, also zeitlich gesehen einen Anfang und ein Ende haben.

Ziele müssen auch PURE und CLEAR sein

Die SMART-Regel ist wohl die geläufigste bei der Überprüfung von Zielformulierungen, doch laut John-Whitmore-Modell gibt es neben den oben genannten 5 noch weitere 9 Anforderungen für ein Ziel: PURE und CLEAR. Ziele sollen demnach positiv formuliert, verständlich formuliert (understood), relevant und ethisch korrekt sein.

P ositively stated (positiv formuliert)

U nderstood (verständlich)
R elevant (relevant)

E thical (ethisch korrekt)

Darüber hinaus – und hier nähern wir uns der Kür – gehört zu einem gut formulierten Ziel noch dass es herausfordernd (challenging), legal, umweltverträglich (environmentally sound), abgestimmt und protokolliert (recorded) ist.

C hallenging (herausfordernd)
L egal (legal)
E nvironmentally sound (umweltverträglich)
A greed (abgestimmt)
R ecorded (protokolliert)

GROW on your goals

Ein letztes Akronym aus der Liste der Zielformulierungen ist das Wachsen (grow) am Ziel. Das Ziel ist das Goal, der Endpunkt, den es zu erreichen gilt, formuliert nach den oben genannten Kriterien. Den Abstand zwischen Startpunkt und Zielpunkt ist die Realitätsspanne (reality), die zwischen Jetztzustand und dem gewünschten Zustand liegt. Hindernisse und Optionen (obstactles and opinions) gehören sind ein wesentlicher Teil am Weg zum Erreichen eines Ziels. Gäbe es keine, wären wir schon dort. Doch jedes Hindernis bringt auch Optionen mit sich, ihm zu begegnen. Und schließlich richten sich Ziele stets nach vorne (way forward) und müssen deshalb in vor uns liegenden Aktionen und Schritten umgesetzt werden.

G oal (Ziel)

R eality (Realität)

O bstacles and Options (Hindernisse und Optionen)

W ay forward (Vorwärtsgehen)

Setzen wir uns die richtigen Ziele?

Vor dem Hintergrund wird evident, weshalb auferlegte Ziele meist zum Scheitern verurteilt sind. So stellt sich nochmals die Frage, ob wir uns immer die richtigen Ziele setzen, sowohl privat als auch im öffentlich politischen und gesellschaftlichen Diskurs. Sind wir SMART genug, um an unseren Zielen zu wachsen?

"Der Mensch ist ein zielstrebiges Wesen, aber meistens strebt es zu viel und zielt zu wenig." Günter Radtke (*1925), dt. Journalist und Schriftsteller


[cs]

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