Radikale Innovationen und Disruptive Technologien

Radikale Innovationen und Disruptive Technologien

v.l.: Dr. Robert Koeppe (isiQiri GmbH), Dr. Martin Bergsmann (Hueck Folien), Dr. Michael Strugl (Wirtschafts-Landesrat OÖ), Dr. Josef Kinast (Siemens Linz), Univ.-Prof. Dr. Michael Shamiyeh (DOM Research Lab).

Radikale Innovationen - Ein Schwerpunktsthema 2015

Um der permanenten Dynamik und Veränderung von Wirtschaft und Gesellschaft Rechnung zu tragen, beobachtet ACADEMIA SUPERIOR laufend, welche neuen Themen und Fragestellungen sich am Horizont bewegen und versucht diese Zukunftsthemen in die öffentliche Diskussion in Oberösterreich zu übertragen.

Immer häufiger trifft man hier auf den Begriff der "radikalen Innovationen". Internationale Expertinnen und Experten sehen in radikalen Innovationen einen wesentlichen Faktor für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit, da radikale Innovationen und disruptive Technologien einen enormen Einfluss auf Märkte, Wirtschaftsräume und Gesellschaftssysteme haben. Daher legt die Gesellschaft für Zukunftsforschung im Jahr 2015 einen Schwerpunkt auf dieses Thema.

Vorbereitend wurde hierfür das Basisdossier "Radikale Innovationen und disruptive Technologien - Chancen für die oberösterreichische Wirtschaft" (Download rechts) erstellt. Die sich daraus ableitenden Fragestellungen wurden nun in einem Strategieforum mit oberösterreichischen Forscherinnen und Forschern sowie Expertinnen und Experten aus dem Unternehmenssektor diskutiert.

Was sind radikale Innovationen?

Neben der Unterscheidung nach der Art einer Innovation (Produkt-, Dienstleistung-, Marketing- oder Organisationsinnovation) hat sich zuletzt eine Unterscheidung in inkrementelle und radikale Innovationen herauskristallisiert. Inkrementelle Innovationen beschreiben eine schrittweise Weiterentwicklung oder Verbesserung eines bestehenden Angebotes, während radikale Innovationen neue Wege gehen und Trends setzen. Sie  verändern Märkte von Grund auf oder schaffen völlig neue Märkte und verwandeln das Wettbewerbsgefüge von Unternehmen und Wirtschaftsstandorten nachhaltig. Ein weiteres Feld wären "architekturelle Innovationen". Hier werden bereits bestehende Technologien neu kombiniert und können so - in neuem Design - umwälzende Wirkungen erfahren.

Ein wesentlicher Treiber von radikalen Innovationen sind disruptive Technologien. Damit sind technologische Entwicklungen gemeint, die eine fundamentale Zäsur bewirken und eine neue Ära einläuten (z.B. Verbrennungsmotor, Computer, Internet, Digitalfotografie, Smartphones). Solche Erfindungen bieten schier unendliche Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle. Gerade in diesen Tagen zeichnen sich viele neue Technologien ab, die eine hohe disruptive Wirkung entfalten könnten: Nanotechnologie, Mikro- und Nanoelektronik, Photonik, neue Werkstoffe, Biotechnologien, 3D-Printing etc.

Radikale Innovationen - Chancen und Risiken

Jene Unternehmen und Regionen, die die Chancen radikaler Innovationen früh erkennen und aufgreifen, haben einen enormen Wettbewerbsvorsprung gegenüber der Konkurrenz und können eine maßgebliche Markt- und Technologieführerschaft erlangen. Gleichzeitig sind radikale Innovationen jedoch aus zweierlei Sicht riskant: Erstens ist ihre Markteinführung schwierig und mit hohen Kosten und Risiken verbunden. Andererseits können Unternehmen oder Regionen, welche zu spät auf radikale Innovationen reagieren, stark unter Druck geraten.

Als Paradebeispiel für diese Problematik wurde in der Diskussion das Unternehmen Kodak angeführt: Der frühere Hersteller fotografischer Ausrüstungen aller Art und Erfinder der digitalen Fotografie, musste den, durch die digitale Entwicklung verursachten, Tsunami-artigen Einbruch seines Kerngeschäfts (Film- und Fotopapierproduktion) mitansehen und konnte sich deshalb, die Weiterentwicklung der digitalen fotografie nicht mehr leisten. Kodak musste innerhalb von acht Jahren seinen Mitarbeiterstand von 150.000 auf 5.000 reduzieren.

Dementsprechend wäre es sinnvoller nicht einfach nur radikale Innovationen zu fördern, sondern vielmehr disruptive, in der Form von architektonischen Innovationen. (mehr dazu in der Präsentation von Michael Shamiyeh rechts)

Oberösterreich und radikale Innovationen

35 Beispiele für radikale Innovation "made in Upper Austria" konnten im Basisdosser identifiziert werden. Oft handelt es sich dabei um Unternehmen, die in Nischen tätig sind und global agieren. Da radikale Innovationen einen fundamentalen strukturellen Wandel anstoßen können, der Branchen komplett verändert, ist es für Oberösterreich, als global vernetzter Standort, daher zentral, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und rasch darauf zu reagieren.

Die Ergebnisse der Diskussionen werden nun weiter verdichtet und in einem ausführlichen Bericht zur Verfügung gestellt.

Hinweis:

Am 5. Februar 2014 findet im Siemens Forum Linz um 18.30 Uhr eine öffentliche Veranstaltung der ACADEMIA SUPERIOR zum Thema "Radikale Innovationen" statt. In diesem Rahmen wird der Autor und ehemalige Pro7 Chefreporter, Jens-Uwe Meyer, einen Vortrag halten und gemeinsam mit heimischen Experten diskutieren.

Die Präsentationen der Referenten können rechts abgerufen werden.