Lehren aus dem Silicon Valley für Oberösterreich

Lehren aus dem Silicon Valley für Oberösterreich

Am Podium: Moderatorin Mag. Barbara Krennmayr, Dr. Burton Lee MBA, LH-Stv. Dr. Michael Strugl, Julia Eschelbeck BSc, Ing. Mag. Johann Čas, Univ.-Prof. Dr. Matthias Fink, Mag. Christoph Wurm

Neue Innovationsstrategien und Technologien wie Künstliche Intelligenz, waren Thema des Experten-Talks mit Burton Lee.

„Der globale Wirtschaftswettbewerb wird über die Innovationsfähigkeit der Standorte entschieden.“ Mit dieser Aussage brachte Obmann LH-Stv. Dr. Michael Strugl die Herausforderung vor der Oberösterreich steht, auf den Punkt: Will man Wachstum und Wohlstand erhalten, muss die Fähigkeit der heimischen Wirtschaft und Forschung, Neues zu entwickeln und marktreif zu machen, vorangetrieben werden. Zur Diskussion darüber, wie dies gelingen kann, lud ACADEMIA SUPERIOR hochkarätige Expertinnen und Experten in das VKB-Forum in Linz.

Universitäten müssen zum Kern des Wachstums werden

Der US-amerikanische Innovations-Fachmann Burton Lee von der Stanford University berät Oberösterreich bei der Entwicklung einer Strategie für Künstliche Intelligenz. Mit einem kritischen Blick von außen zeigte er wesentliche Unterschiede zwischen den Innovationssystemen in Europa und dem berühmten Silicon Valley in Kalifornien auf. Er sprach unter anderem über die unterschiedliche Fehlerkultur und die weitere US-amerikanische Definition von Computer Science als zwei der Grundlagen für den Erfolg Amerikas.

Als den wichtigsten Faktor für die höhere Innovationsfähigkeit Kaliforniens betrachtete er allerdings die andere Positionierung der Hochschulen im Wirtschaftssystem. Im US-Modell stehen die Universitäten im Zentrum des wirtschaftlichen Wachstums. Die Hochschulen verstehen sich nicht nur als Forschungsanstalten, sondern befähigen ihre Studierenden und Professoren dazu, neue Ideen umzusetzen und Unternehmen zu gründen. Mit Erfolg, wie das Beispiel Stanford zeigt: seit der Gründung der Universität wurden von aktiven Studierenden und Professoren bereits über 40.000 Unternehmen gegründet. Obwohl natürlich nicht alle überlebten, befinden sich darunter auch Namen wie Google, HP oder CISCO, die weltweit neue Arbeitsplätze schaffen und heute zu den größten Akteuren der Digitalisierung zählen.

In Europa schaut so eine Bilanz ganz anders aus und rührt laut Lee daher, dass die Relevanz von Hochschulen für das Wirtschaftswachstum zu gering bewertet werde. Dementsprechend wird zu wenig Wert auf eine unternehmerische Ausbildung oder Tätigkeit der Studierenden und Professoren gelegt. „Unternehmertum und Entrepreneurship gehört in alle Studienpläne hinein, nicht nur in die der der Business-Schools“, so Lee, der weltweit Institutionen zum Thema Innovation berät.

In einer auf die Keynote von Lee folgenden Podiumsdiskussion wurden Innovationskraft und Innovationskultur kontrovers beleuchtet und Empfehlungen für den heimischen Standort erörtert.

Über die Grenzen denken, Netzwerke aufbauen und lebenslanges Lernen

Die im Silicon Valley aufgewachsene und bei CISCO Systems für den Bereich Co-Innovation zuständige Julia Eschelbeck BSc, sah vor allem in der Förderung eines Über-die-Grenzen-Denkens eine Möglichkeit, die Innovationskraft zu stärken. „Etablierte Unternehmen, die aus ihren Strukturen hinausgehen und mit Start-Ups in Partnerprojekten kooperieren, befeuern ihre eigene Innovationsfähigkeit. Aber diese Horizonterweiterung muss bereits in den Schulen in den Köpfen der Leute verankert werden“, meinte sie.

Univ.-Prof. Dr. Matthias Fink vom Institut für Innovationsmanagement der Johannes Kepler Universität Linz betonte, dass alle in einem Innovationssystem agierenden Personen für dessen Erfolg wichtig seien. Nur in einem Netzwerk werden Innovationen vorangetrieben, deshalb kommt den vertrauten Beziehungen zwischen den Menschen eine Schlüsselrolle im Innovationsprozess zu. „Es reicht nicht aus, nur das Silicon Valley zu kopieren. Wir müssen unser Innovationssystem so weiterentwickeln, dass es zu unserer Identität passt“, so Fink weiter. Er verwies dabei auf die großen Probleme osteuropäischer Staaten, die nach der kommunistischen Ära versuchten, das US-Unternehmertum und Wirtschaftsmodell einfach zu übernehmen und damit weitgehend scheiterten.

Ein weiterer Bereich, der laut dem JKU-Experten in Österreich noch verbessert werden muss, betrifft den Bereich lebenslanges Lernen. „Es muss sich etablieren, dass man auch in einem Unternehmen immer weiterlernen muss. Man darf einfach nicht stehen bleiben. Auch als Sechzigjähriger nicht“, zeigte sich Fink überzeugt.

Vertrauen sichern und Datenschutz

Ing. Mag. Johann Čas vom Institut für Technikfolgenabschätzung der Österreichischen Akademie der Wissenschaft sah die größte aktuelle Herausforderung, vor der die heimische Politik steht, darin, das Vertrauen der Menschen in die großen Vorteile der neuen Technologien und vor allem der künstlichen Intelligenz zu stärken.

„Angesicht der bevorstehenden Umwälzungen durch Robotik und künstliche Intelligenz wird es Gewinner und Verlierer am Arbeitsmarkt geben. Die Politik muss daher das Vertrauen stärken, dass trotzdem alle von den neuen Technologien profitieren werden“, so Čas und wies auch kritisch auf ein Paradoxon hin: „Wenn die künstliche Intelligenz wirklich das hält, was sie verspricht, werden irgendwann die Programmierer erst recht wieder nicht gebraucht werden.“

Generaldirektor Mag. Christoph Wurm von der VKB-Bank sah Innovation und Weiterentwicklung zwar ohne Alternative, jedoch kommt für ihn dem Vertrauen eine zentrale Position, gerade in Finanzgeschäften, zu. „Vertrauen kann man nur mit nachhaltigen Modellen aufbauen und da gehört etwa Datenschutz besonders beachtet. Das aktuelle Bedürfnis, Daten zu nützen und gleichzeitig Daten zu schützen, erzeugt ein Spannungsfeld, das gelöst werden muss“, so Wurm.

Kulturwandel und eigene Stärken erkennen

Dr. Burton Lee MBA, von der Engineering School der Stanford University betonte, dass es einen Wandel in der Einstellung zu neuen digitalen Technologien in Europa brauche. „Daten sind der neue Sauerstoff und Software das Rückgrat von allem. Das muss endlich akzeptiert werden“, zeigte er sich überzeugt. „Viele Leute hier sagen: Digitalisierung ist keine Kompetenz von uns. Gehört nicht zu unserer Identität. Aber Runtastic ist doch zum Beispiel in Oberösterreich entstanden. Das beweist doch die Kompetenz die hier weitgehend brach liegt“, so Lee und fügte noch hinzu: „Erkennt eure Stärken und Ihr werdet noch stärker werden.“

Kreative Digitalkompetenz mit Produktionskompetenz verbinden

Michael Strugl sah einen der Schwerpunkte für die Weiterentwicklung Oberösterreichs darin, das in Oberösterreich etablierte Kompetenzfeld der Produktion in Zukunft noch stärker mit dem neuen kreativen und digitalen Kompetenzbereich zu verbinden. „Wir müssen auf unsere Basis aufbauen, aber auch offen und mutig neue Kompetenzen aufbauen“, so Strugl. Dazu passte seine Ankündigung, dass an der JKU-Linz ein neues Artificial Intelligence-Labor mit bis zu 200 Forscherinnen und Forschern aufgebaut und das Land zu einem europäischen Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz werden soll. „Wir wollen aufbauend auf den bestehenden Stärken eine klare Strategie von der Grundlagenforschung über die angewandte Forschung bis hin zur Anwendung in den Unternehmen entwickeln“.