Zur Präsentation seines Buches „So läuft Start-up“ lud ACADEMIA SUPERIOR “Mr. Runtastic” Florian Gschwandtner zum Gespräch mit Markus Hengstschläger. Sie sprachen über einzelne Etappen seines Lebens, die Lehren, die er daraus zieht und welche Entwicklungen er in der Zukunft auf uns zukommen sieht.

Lehren aus Österreichs erfolgreichster Gründung

Im Jahr 2009 ging die Runtastic-App erstmals online. „Die Downloadzahlen übertrafen sofort alles, was wir uns je erhofft hatten“, erzählte der Runtastic-CEO Florian Gschwandtner bei der Präsentation seines eben erschienenen Buches. Gschwandtner und seine drei Mitgründer erschufen mit Runtastic das österreichische Vorzeigeunternehmen in Sachen digitales Start-Up. Mittlerweile befindet sich die App auf zig Millionen Smartphones weltweit, der Sporthersteller Adidas kaufte das Unternehmen 2015 für 220 Millionen Euro und Florian Gschwandtner verkündete vor Kurzem, dass er sich mit Jahresende als CEO zurückziehen wird.

Den leichten Weg zu gehen, bringt selten Erfolg

Die Einstellung, „dass ich etwas leisten muss, Einnahmen haben muss, um mir das zu ermöglichen, was ich gerne haben oder machen will,“ wurde Gschwandtner bereits in seiner Kindheit am elterlichen Hof mitgegeben. Beim späteren Studium an den Fachhochschulen Hagenberg (Mobile Computing) und Steyr (Supply Chain Management) „habe ich hart arbeiten müssen – vor allem in Hagenberg – um mithalten zu können. Das Programmieren ist mir nie leichtgefallen, und Fehler habe ich auch viele gemacht“, so Gschwandtner. Aber er wollte es unbedingt schaffen und war dazu bereit „jede Menge Extrameilen zu gehen“.

Als dann Studienkollegen mit einer Geschäftsidee – dem GPS-Tracking von Segelschiffen – an ihn herantraten, war das spätere vierköpfige Gründungsteam von Runtastic formiert. „Wir haben schnell festgestellt, dass unsere erste Idee nicht funktioniert und sind auf das Aufzeichnen von Laufdaten umgeschwenkt, weil das breitenwirksamer ist. Zuerst wollten wir Aufzeichnungsstationen an fixen Laufstrecken eingraben, dann erst kam die Technologie und die Idee mit dem Tracking über GPS am Smartphone“, erzählte Gschwandtner. Der Rest ist Geschichte – Erfolgsgeschichte.

Was er aus all dem gelernt hat? „Zuerst, dass man, wenn man wirklich etwas verändern will, dazu bereit sein muss, Zeit zu investieren. Wer keine Arbeit reinsteckt, wird nichts erreichen“. Denn eine Idee, so Gschwandtner, mache nur ca. 5-10% vom Erfolg aus, der Rest ist harte Arbeit. Der frühe Gedanke an Skalierbarkeit ist der zweite wesentliche Erfolgsfaktor: „Dass man immer auch gleich daran denken sollte, wie man aus dem, was man macht, irgendwann Geld machen kann. Dass man sich nicht kleinreden sollte und einfach seine Ideen zu verwirklichen versuchen sollte“.

Aber man müsse auch schnell erkennen, wenn eine Idee zu nichts führt, und dann auf etwas Anderes umsteigen. „Start fast and fail fast“ – zu Deutsch: Gründe schnell, und scheitere schnell – lautete hier der Rat an zukünftige Unternehmensgründerinnen und Gründer.

Autonomes Fahren und Spracherkennung werden Game-Changer

Auf die Frage, auf welche großen Umbrüche wir uns seiner Meinung in Zukunft einstellen müssen, antwortete der Runtastic-CEO: „Ich glaube autonomes Fahren und Spracherkennung werden bald alles verändern. Und das schneller, als wir heute glauben.“ Gschwandtner warnte davor, die Entwicklung einfach auf sich zukommen zu lassen: „Jeder sechste Job hängt in Österreich irgendwie von der Automobil- und der Zuliefererindustrie ab. Ich habe das ungute Gefühl, wir werden da in Zukunft viel an Firmen wie Uber oder Google verlieren. Die führen bei der Entwicklung der digitalen Inhalte, die das Wesentliche der nächsten Fahrzeuggeneration ausmachen werden“.

Doch laut Gschwandtner wird es auch weitere gesellschaftliche Folgen geben: „Zwanzig Prozent der Stadtflächen werden heute von Autos belegt. In Zukunft parken Autos über Nacht in Parkhäusern am Stadtrand und kommen nur Tagsüber in die Stadt, um die Leute von A nach B zu fahren. Das wird das Stadtbild enorm verändern“, ist der CEO überzeugt.

Eine ähnliche Bedeutung misst Gschwandtner der Entwicklung der Spracherkennung bei: „Wir sind heute gewohnt, alles in die Geräte einzutippen, aber das wird bald nicht mehr nötig sein. Dann reden wir mit den Geräten“. Das werde unseren Umgang mit Maschinen revolutionieren, zeigte er sich überzeugt. „Was uns für einen erfolgreichen Umgang mit diesen Entwicklungen aber fehlt, sind vor allem die Technikerinnen und Techniker. Wir müssen uns da auch als Gesellschaft verändern und offener werden und zum Beispiel Mädchen nicht davor abschrecken in die Engineering-Ausbildungen zu starten“, betonte Gschwandtner abschließend.

Keinen Plan haben

Der Plan von Florian Gschwandtner für die Zeit nach Runtastic ist in erster Linie, keinen Plan zu haben. Er wolle bewusst die Zeit auf sich zukommen lassen, ein paar neue Dinge ausprobieren und reisen. Dass ihm das anfangs nicht leicht fallen wird, weiß er jetzt schon, doch es ist eine Chance für eine Time-Out, die er sich nicht entgehen lassen möchte.