In der Energiefrage geht es dem P. David Steindl-Rast darum, wie wir aus dem Inneren her­aus Energie schöpfen kön­nen. Dabei scheint die Antwort erstaunlich sim­pel: In der Dankbarkeit liegt der Schlüs­sel zur Energie und zu den recht­en Entschei­dun­gen.

Der Weg zu dieser tiefen Erken­nt­nis, auf den P. David Steindl-Rast ein­lädt gemein­sam zu gehen, ist geze­ich­net von drei Fra­gen:

Der Ausgangspunkt: Wer entscheidet?

Man muss unter­schei­den zwis­chen dem „Ich” und dem „Selb­st”. Während das Ich in der Zeit begren­zt ist und von den ver­schiede­nen Rollen gekennze­ich­net ist, mit denen wir uns iden­ti­fizieren und die Aus­druck unseres Selb­st sind, ist das „Selb­st” immer im Jet­zt, also über die Zeit erhaben und beschreibt gle­icher­maßen die göt­tliche Ein­heit in mir.

„Die Ich-Bezo­gen­heit — das Ego — ist ein Missver­ständ­nis unser­er Zeit.”

Es gibt EIN Selb­st im Uni­ver­sum aus dem sich die Lebendigkeit und das Leben gener­ieren. Zu lieben bedeutet in dem Sinn sich zu einem gelebten Ja dieser Jet­zt- und Selb­st-Zuge­hörigkeit zu beken­nen.

Daher die These: Alle Entschei­dun­gen muss ich selb­st tre­f­fen.

Das Ziel: Wofür entscheide ich mich, wenn ich selbst entscheide?

Auf der Suche nach dem Wesen großer Men­schen hat der Psy­chologe Abra­ham Maslow her­aus­ge­fun­den, dass ihnen allen mys­tis­che Erfahrun­gen ‑All-Eins-Erfahrun­gen — gemein­sam sind, und sie diese in ihr täglich­es Leben ein­fließen lassen. Wir alle ken­nen diese „peak expe­ri­ences” — Gipfel­er­leb­nisse -, in denen wir für einen Augen­blick Eins sind mit allem und das Selb­st erfahren. In diesen Momenten eröffnet sich uns eine andere Welt­sicht, ein anderes Welt­bild.

Unsere Welt unter­liegt einem Macht­sys­tem in das wir von klein auf sozial­isiert sind. Nur in der­ar­ti­gen Gipfel­er­leb­nis­sen kön­nen wir her­aus­blick­en. Die Auf­gabe ist es, so P. David Steindl-Rast, das vorherrschende Macht­sys­tem durch ein Demutssys­tem zu erset­zen.

„Wir wollen eine Welt, in der die Macht der Liebe regiert und nicht die Liebe zur Macht.”

Um entschei­dende Prob­leme zu lösen, muss ich selb­st die vorherrschen­den Macht- und Gesellschaftssys­teme hin­ter­fra­gen. P. David Steindl-Rast gibt allerd­ings zu bedenken, dass dieser Weg ein schwieriger, steiniger und lei­d­voller ist.

Den­noch: „Jed­er Augen­blick ist Gele­gen­heit und Geschenk.”

Der Prozess: Wie kann ich selbst die rechte Entscheidung treffen?

Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, die von mir selb­st kom­men heißt, im Jet­zt zu sein. Der Weg dor­thin geht über die Dankbarkeit, die man üben und zur spir­ituellen Prax­is machen muss. Dankbarkeit und Glück sind dabei eng ver­bun­den: „Dankbarkeit ist der Schlüs­sel zur Freude”.

„Die einzig real­is­tis­che Hal­tung im Leben ist dankbar zu sein”, weiß P. David Steindl-Rast, der zugle­ich auf das Inno­va­tionspo­ten­tial ein­er solchen Hal­tung aufmerk­sam macht: „Dankbarkeit macht uns unge­heuer kreativ!”

In punc­to Wirtschaft meint P. David Steindl-Rast ganz klar: „Wir sind alle erkrankt an diesem unbe­gren­zten Wach­s­tum,” das es durch Qual­ität statt Quan­tität zu heilen gilt. Dankbarkeit eröffnet uns den Zugang zur Qual­ität mit weniger Quan­tität, was für die Zukun­ft unab­d­ing­bar ist.

„Dankbarkeit führt uns zum tief­sten Grund der Entschei­dung.”

Daher die These: Die Entschei­dung über Energiequellen ist die Dankbarkeit. Aus dem Selb­st wer­den rechte Entschei­dun­gen fließen.

Daraus der Schluss des Benedik­tin­er­mönchs: Dankbar leben heißt furcht­los leben.