Die mod­er­nen Infor­ma­tions- und Kom­mu­nika­tion­stech­nolo­gien (kurz: IKT) bes­tim­men mit­tler­weile stark den All­t­ag der meis­ten Men­schen. Bewusst und oft auch unbe­wusst nutzen wir sie täglich in der Freizeit und der Beruf­swelt. Sei es mit dem Smart­phone, per eBank­ing, auf Face­book, dem GPS oder über Emails — um nur einige der unendlich vie­len dig­i­tal­en Anwen­dungsmöglichkeit­en zu nen­nen. Doch welche neuen Tech­nolo­gien wer­den in naher Zukun­ft noch auf uns zukom­men? Woran arbeit­en Forscherin­nen und Forsch­er derzeit weltweit? Welche neuen wirtschaftlichen Chan­cen wer­den sich ergeben und welchen Gefahren wer­den wir uns stellen müssen?

„IKT ist wichtig um als Wirtschafts­stan­dort wet­tbe­werb­s­fähig zu bleiben.” – Michael Strugl

Über diese Fra­gen wurde, auf Ein­ladung der ACADEMIA SUPERIOR und der Fach­gruppe Unternehmens­ber­atung und Infor­ma­tion­stech­nolo­gie der WKOÖ, in Linz disku­tiert. Exper­tin­nen und Experten aus Forschung, Poli­tik und Wirtschaft beratschlagten in Work­shops, die The­men wie das Inter­net of Things, Big Data, Such­maschi­nen, Indus­trie 4.0, Fort­geschrit­tene Robotik oder intel­li­gente Maschi­nen behan­del­ten. „Europa ist, glob­al gese­hen, in diesen Bere­ichen vorne mit dabei. Man muss die Dinge aber proak­tiv­er ange­hen”, zeigte sich ein­er der Work­shop-Teil­nehmer nach den Diskus­sio­nen überzeugt.

Aus den Work­shops:

Internet of Things

Der Begriff Inter­net der Dinge meint die Verknüp­fung ein­deutig iden­ti­fizier­bar­er Objek­te mit ein­er virtuellen Repräsen­ta­tion in ein­er Inter­net-ähn­lichen Struk­tur. Das Inter­net der Zukun­ft wird nicht mehr nur aus men­schlichen Teil­nehmern, son­dern auch aus „intel­li­gen­ten Geräten”, die sich teil­weise selb­st organ­isieren, beste­hen. Es stellt u.a. eine Basis für advanced/mobile Robot­ics, autonome Fahrzeuge und Indus­trie 4.0 dar. Über die Poten­tiale der zunehmenden dig­i­tal­en Verknüp­fung der Welt kon­nten die Work­shop-Teil­nehmer mit Dr. Siegfried Reich (Salzburg Research Forschungs­ge­sellschaft) und DI Wern­er Schöf­berg­er (Siemens AG Aus­tria) disku­tieren.

Advanced Robotics

Fortschritte in den Bere­ichen kün­stliche Intel­li­genz, Sen­sorik, machine-to-machine Kom­mu­nika­tion etc. wer­den dazu führen, dass Robot­er bzw. autonome Robot­er­sys­teme kom­plexere Arbeit­en in der Pro­duk­tion, teil­weise auch in direk­ter Zusam­me­nar­beit mit Men­schen, aus­führen sowie zunehmend ver­schiedene Arbeit­en außer­halb des Pro­duk­tions­bere­ichs übernehmen wer­den. Univ.-Prof. Dr. Markus Vincze (TU Wien) und Erich Schober (KUKA Robot­er CEE) stell­ten die neuesten Entwick­lun­gen auf diesem Gebi­et vor.

Automation of Knowledge Work

Fortschritte in den Bere­ichen kün­stliche Intel­li­genz, Machine Learn­ing und User Inter­faces (z.B. Stim­merken­nung) wer­den dazu führen, dass teil­weise wis­sens­basierte bzw. wis­sensin­ten­sive Arbeit­en von Com­put­ern über­nom­men wer­den kann. Dies kön­nte unsere Arbeitswelt, wie wir sie heute ken­nen, mas­siv trans­formieren. Mag. Olaf Hahn (IBM Aus­tria) und DI Daniel Fall­mann (Mind­breeze) erk­lärten u.a., wie nahe etwa das neue IBM-Pro­gramm „Wat­son” bere­its daran ist, die Vorteile von Men­sch und Com­put­er zu verbinden.

Informationstechnologien — entscheidend für Zukunft des Wirtschaftsstandortes

In ein­er abschließen­den Abend­ver­anstal­tung wurde auch die bre­ite Öffentlichkeit ein­ge­laden, einen Ein­blick in den aktuellen Stand der IT-Tech­nolo­gien, sowie auf deren Bedeu­tung für den Wirtschafts­stan­dort Oberöster­re­ich, zu erhal­ten.

In der Keynote des Abends brachte DI Bernd Bugel­nig, Vizepräsi­dent der Capgem­i­ni Con­sult­ing AG Öster­re­ich,  die Sicht der IT-Ver­ant­wortlichen in die Diskus­sion ein. Das zu den weltweit größten IT-Beratungskonz­er­nen zäh­lende Unternehmen befragte in der IT-Studie 2014, bere­its zum zwölften Mal, die IT-Vorstände der größten Unternehmen im deutschen Sprachraum über ihre Zukun­ft­ser­wartun­gen für die Branche. Es zeige sich, dass beispiel­sweise viele Unternehmen den neuen Cloud-Ser­vices der exter­nen Anbi­eter, wie Google oder Apple, stark mis­strauen und deshalb auf eigene Lösun­gen set­zen. „Außer­dem ist nur jedes fün­fte Unternehmen agil genug, um ständig am neuesten tech­nol­o­gis­chen Stand zu bleiben”, so Bugel­nig. Diese Agilität wird von den meis­ten Betrieben durch das Her­anziehen extern­er Mitar­beit­er sichergestellt.

Zukunft braucht richtige Infrastruktur und Bildung

Wirtschafts-Lan­desrat Dr. Michael Strugl, Obmann der ACADEMIA SUPERIOR betonte, dass die IKT nicht nur einen wichti­gen Wirtschaftssek­tor mit knapp 20.000 Beschäftigten in Oberöster­re­ich darstellt, son­dern dass sie auch für den gesamten Stan­dort OÖ und für den Erhalt sein­er Wet­tbe­werb­s­fähigkeit von entschei­den­der Bedeu­tung sei. Dementsprechend sei es wichtig, für die Infra­struk­tur der Zukun­ft zu sor­gen: „Über flächen­deck­endes Bre­it­band-Inter­net muss heute nicht mehr disku­tiert wer­den, son­dern es muss so rasch als möglich umge­set­zt wer­den”, stellte Strugl klar. Die Kosten dafür seien zwar sehr hoch, „aber nur mit dem besten Netz wird Oberöster­re­ich auch kün­ftig im europäis­chen und inter­na­tionalen Stan­dortwet­tbe­werb beste­hen kön­nen”, unter­strich der Wirtschafts-Lan­desrat. Von eben­so zen­traler Bedeu­tung sei die Ver­füg­barkeit entsprechen­der Fachkräfte aus dem IT-Bere­ich.

Die dig­i­tale Zukun­ft klinge für viele zwar noch nach fer­nen Visio­nen, aber an allen diesen Tech­nolo­gien werde bere­its geforscht, erk­lärte Markus Roth, Obmann der Fach­gruppe Unternehmens­ber­atung und Infor­ma­tion­stech­nolo­gie in der Wirtschaft­skam­mer OÖ. „Tech­nolo­gien wie Syn­thetis­che Telepathie oder kün­stliche Gehirne liegen zwar noch in der Zukun­ft, aber wenn wir ökonomisch dabei bleiben wollen, müssen wir immer einen Schritt vorne sein”, betonte Roth.

„Unsere Unternehmen ste­hen vor einem enor­men Tech­nolo­giesprung in der IKT.” – Markus Roth

Dr. Ger­hard Eschel­beck, zuständig für die tech­nol­o­gis­che Strate­gie der Sophos GmbH, sieht im Sicher­heits­bere­ich zen­trale Prob­leme für die Zukun­ft in den Infor­ma­tion­stech­nolo­gien. „Die derzeit großen Umbrüche in der IT-Welt, wie Cloud Com­put­ing oder Mobile Com­mu­ni­ca­tion, stellen für die Sicher­heit die größten Her­aus­forderun­gen dar”, stellte der in Kali­fornien lebende Eschel­beck fest.

Für die oö. Hochschulen sprach Univ.-Prof. Dr. Gabriele Ander­st-Kot­sis, Viz­erek­torin für Forschung an der Johannes Kepler Uni­ver­sität: „Um bei dem gegen­wär­tig ras­an­ten Wan­del der Tech­nolo­gien mithal­ten zu kön­nen, brauchen wir in der Aus­bil­dung eine gute Mis­chung aus dem notwendi­gen Basiswis­sen und aus Freiräu­men, um auch die aktuellen Trends behan­deln zu kön­nen”, betonte Ander­st-Kot­sis.

Für Ing. Her­mann Grab­n­er, Vizepräsi­dent IT der FACC AG beste­hen die größten Her­aus­forderun­gen in sein­er Arbeit beim Rieder Flugzeugteilezulief­er­er darin, „den Spa­gat zwis­chen der Sta­bil­ität der inter­nen IT-Ser­vices und der Anwen­dung der neuen Möglichkeit­en, wie Cloud Com­put­ing und mobile Devices, zu garantieren”, so Grab­n­er. Denn immer­hin müsse er, um einen IT-Tech­niker­posten neu beset­zen zu kön­nen, mit ein­er Wartezeit von bis zu zwölf Monat­en rech­nen, bis eine geeignete Fachkraft gefun­den wer­den könne.