Die unternehmerische Gesellschaft

Unternehmer­tum und Engage­ment sind das Rück­grat unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssys­tems. Die unternehmerische Ini­tia­tive der Men­schen treibt nicht nur den Fortschritt, son­dern auch unseren Wohl­stand voran. Wie sehr steigen­der Wohl­stand, Demokratie und freies Unternehmer­tum zusam­men­hän­gen, zeigt auch der his­torische Ver­gle­ich: So gelang es den Plan­wirtschaften Osteu­ropas, die das freie Unternehmer­tum gän­zlich abgeschafft hat­ten, nach großen anfänglichen Erfol­gen in der zweit­en Hälfte des 20. Jahrhun­derts bald nicht mehr, mit dem Wohl­standswach­s­tum der freien Mark­twirtschaften Wes­teu­ropas mitzuhal­ten. Und auch in der Volk­sre­pub­lik Chi­na begann eine Phase des Wirtschafts- und Wohl­standswach­s­tums erst, nach­dem das freie Unternehmer­tum weit­ge­hend erlaubt wor­den war.

„OHNE UNTERNEHMERINNEN UND UNTERNEHMER WIRD UNSERE GESELLSCHAFT VERARMEN UND LANGFRISTIG SCHEITERN.” – MEINHARD MIEGEL

Wird der Blick­winkel auf noch größere Zeiträume aus­geweit­et, so zeigt sich laut dem Sozial­wis­senschafter Mein­hard Miegel, der bei ACADEMIA SUPERIOR zu Gast war, dass ger­ade jene Epochen, in denen Gesellschaften nur niedrige Bevölkerungsan­teile von Unternehmerin­nen und Unternehmern aufwiesen, auch Zeiträume der weit­ge­hen­den Stag­na­tion oder des ver­langsamten Fortschritts waren. Das Wirtschaftswach­s­tum oder das Wach­s­tum unseres Wis­sens war über Jahrtausende der Men­schheits­geschichte rel­a­tiv ger­ing und über­schaubar. In Europa änderte sich dies etwa ab dem Jahr 1800, als sich die Aufk­lärung und Säku­lar­isierung immer stärk­er durch­set­zten.

Neue Leis­tungswerte und Vorstel­lun­gen der per­sön­lichen Ver­ant­wor­tung sowie die Reduzierung der gesellschaftlichen Hemm­nisse und Schranken in allen Bere­ichen ent­facht­en einen bis dahin ungekan­nten Unternehmergeist in den europäis­chen Gesellschaften – mit enor­men Fol­gen für Fortschritt und Wohl­stand. Gle­ich­es gilt für die Poli­tik, denn Frei­heit, Demokratie und Unternehmer­tum hän­gen enger zusam­men, als viele glauben, und bedin­gen einan­der gegen­seit­ig.

Die Förderung des Unternehmer­tums in der Gesellschaft bedeutet also auch, den Fortschritt, das Wach­s­tum und die per­sön­liche Frei­heit zu fördern. Eng damit ver­bun­den ist jedoch auch die Förderung der per­sön­lichen Ver­ant­wor­tung der oder des Einzel­nen. Denn so wie mit Unternehmer­tum Frei­heit als nötige Grund­vo­raus­set­zung ein­herge­ht, so set­zt Frei­heit auch Ver­ant­wor­tung voraus. Das Span­nungs­feld zwis­chen unternehmerisch­er Frei­heit und Ver­ant­wor­tung gegenüber der Gesellschaft ist dementsprechend in der Gegen­wart zu einem viel disku­tierten Feld gewor­den.

UNTERNEHMER-BASHING

Die europäis­chen Gesellschaften entwick­el­ten sich auch deshalb so pos­i­tiv, weil sie unternehmerische Gesellschaften waren. Trotz dieses Zusam­men­hangs bekla­gen gegen­wär­tig viele Unternehmerin­nen und Unternehmer, dass ihnen aus der Gesellschaft ein rauer Wind ent­ge­gen­we­ht und ihren Tätigkeit­en wenig Wertschätzung wider­fährt.

Erfol­gre­iche Unternehmerin­nen und Unternehmer ger­at­en schnell in den Ver­dacht, unlautere Meth­o­d­en anzuwen­den oder sich auf Kosten ander­er zu bere­ich­ern. Gle­ichzeit­ig wer­den scheit­ernde Unternehmerin­nen und Unternehmer häu­fig und ohne Nach­sicht als „Totalver­sagerin­nen und ‑ver­sager“ dargestellt. Die ver­w­er­fliche Steuer­flucht von Unternehmen wird als Skan­dal gew­ertet, während tagtäglich­er Steuer­be­trug ander­er Gesellschafts­grup­pen als Kava­liers­de­likt abge­tan wird. Kurz: Die gesellschaftlichen und moralis­chen Maßstäbe, nach denen unternehmerisch Tätige bew­ertet wer­den, sind wahrschein­lich höher als bei der Mehrheit der erwerb­stäti­gen Bevölkerung. Es wird mehr von ihnen erwartet und gle­ichzeit­ig ist das Urteil über sie ver­nich­t­en­der, wenn sie diese Erwartun­gen nicht erfüllen.

„UNTERNEHMERINNEN UND UNTERNEHMER SIND STÖRER.” – MEINHARD MIEGEL

Woher kommt diese neg­a­tive Hal­tung gegenüber dem Unternehmer­tum, wo es doch ger­ade Unternehmerin­nen und Unternehmer sind, die einen zen­tralen Platz im Prozess der Wohl­stands­gener­ierung ein­nehmen? Vielle­icht liegt es daran, dass Unternehmerin­nen und Unternehmer per se mit dem Sta­tus quo unzufrieden sind. Sie wollen mehr, sie wollen aktiv verän­dern und verbessern. Deshalb müssen sie oft gegen den Strom der Angepassten schwim­men und ern­ten alleine deshalb schon Mis­strauen. Wer einge­fahrene Ver­hal­tens­muster und insti­tu­tionelle Struk­turen in Frage stellt und Neues schaf­fen will, wird von anderen Men­schen zunächst oft als Stör­fak­tor wahrgenom­men und erfährt Ablehnung. Selb­st wenn diese Muster sich zunehmend als über­holt her­ausstellen, haben sie eine hohe Wider­stand­skraft gegen Verän­derun­gen.

UNTERNEHMERTUM UND DIE GRENZEN DES WACHSTUMS

Die ein­gangs genan­nten ras­an­ten und pos­i­tiv­en Fortschritte der let­zten 250 Jahre hat­ten auch eine neg­a­tive Seite: Sie basierten teil­weise auf der zunehmenden und ungezügel­ten Aus­beu­tung der begren­zten Ressourcen unseres Plan­eten.

Die heuti­gen hochen­twick­el­ten Gesellschaften ver­brauchen immer noch ein Vielfach­es mehr an Ressourcen, als ihnen zustünde bzw. als sich nach­haltig regener­ieren kön­nen. Gle­ichzeit­ig machen auf­holende Gesellschaften für ihren Fortschritt von densel­ben zer­störerischen Prak­tiken Gebrauch – wider besseres Wis­sen. Der in den fort­geschrit­te­nen Gesellschaften beobacht­bare Rück­gang des Wach­s­tums in den let­zten Jahrzehn­ten oder die zunehmenden Wirtschaft­skrisen kön­nten Indika­toren für eine Annäherung an diese Gren­ze des „Wach­s­tums wie bish­er“ sein.

„WIR BRAUCHEN QUALITATIVE WACHSTUMSSTRATEGIEN.” – MICHAEL STRUGL

Was es in Zukun­ft also vor allem brauchen wird, ist nicht ein­fach nur Wach­s­tum nach den bish­eri­gen Mustern. Es braucht inno­v­a­tives und qual­i­ta­tives Wach­s­tum. Und dieses wird nur durch ein Mehr an Effizienz sowie neue Ideen und Herange­hensweisen in allen Bere­ichen möglich sein. Nur so wer­den wir möglichst viel aus den natür­lichen Ressourcen des Plan­eten her­aus­holen kön­nen, ohne dabei die Lebens­grund­lage zukün­ftiger Gen­er­a­tio­nen zu unter­graben.

Ger­ade in diesem Prozess wird die Rolle der Unternehmerin­nen und Unternehmer zen­traler sein denn je: Ihre Auf­gabe lautet, die realen Möglichkeit­en unser­er Umwelt mit den Ansprüchen der Men­schen in Ein­klang zu brin­gen. Eine Ver­ant­wor­tung, die bish­er noch zu wenig durch das Unternehmer­tum wahrgenom­men wurde – auch weil die gesellschaftlichen Rah­menbe­din­gun­gen dafür nicht gegeben waren. Ohne Per­so­n­en, die neue Ideen und Lösun­gen für diese schwierige Auf­gabe entwick­eln, wer­den wir als Gesellschaft aber an unseren eige­nen Ansprüchen scheit­ern, da wir uns unsere zukün­ftige Lebens­grund­lage nach­haltig selb­st zer­stören. Unternehmerin­nen und Unternehmer sind in unser­er Gesellschaft diejeni­gen, die dazu berufen sind, neue Lösun­gen für dieses Prob­lem umzuset­zen. (mehr dazu)

MEHR UNTERNEHMERTUM UND EIN BEKENNTNIS ZUR FEHLERKULTUR

Wenn wir in Zukun­ft mehr Unternehmerin­nen und Unternehmer brauchen, um den großen Her­aus­forderun­gen begeg­nen zu kön­nen, gilt es nicht nur, das Image des Unternehmer­tums zu verbessern, son­dern auch, den Unternehmergeist im Land zu stärken.

Weg von der Nei­dge­sellschaft und wieder zurück zur Leis­tungs­ge­sellschaft muss die Devise laut­en: aktives und inno­v­a­tives Engage­ment der Men­schen stärken und fördern – nicht nur in der Wirtschaft, son­dern in allen Bere­ichen. Vor allem in der Kind­heit und Jugend müssen mehr Möglichkeit­en und Anreize für Engage­ment gegeben wer­den – denn nur wer als Kind lernt, dass das eigene Engage­ment und Han­deln Wirkung hat, wird auch als Erwach­sen­er aktiv danach tra­cht­en, den Sta­tus quo zu verbessern und so unternehmerisch tätig zu sein.

Ein wesentlich­er Ansatzpunkt hier­für ist, eine neue Kul­tur im Umgang mit Fehlern zu begrün­den. Denn wer als Kind lernt, dass Fehler nur schlecht sind, ver­sucht sie auch als Erwach­sen­er um jeden Preis zu ver­mei­den. Doch ohne Fehler zu machen – genauer: ohne das Erken­nen unser­er Fehler –, kann man sich nicht verbessern. Kön­nen wir keine neuen Ideen und Lösun­gen entwick­eln, bleiben wir immer auf den aus­ge­trete­nen, angepassten Pfaden, bleiben wir träge und wer­den nicht inno­v­a­tiv.

„JEDER DARF FEHLER MACHEN- EIN PROBLEM IST DAS NUR, WENN JEMAND DEN SELBEN FEHLER DREI MAL MACHT.” – DAMIAN IZDEBSKI

Nur wer die Fehler des anderen ken­nt, kann ver­mei­den, den sel­ben Fehler eben­falls zu machen. Das Prob­lem ist also nicht, dass wir Fehler machen. Das grundle­gende Prob­lem ist, dass wir aus Fehlern nicht oder zu wenig ler­nen, nicht über Fehler kom­mu­nizieren und sie deshalb wieder­holen. Der näch­ste Schritt in der Entwick­lung der unternehmerischen Gesellschaft muss daher der Schritt zu ein­er unternehmerischen Gesellschaft sein, die mit ihren Fehlern offen­er umge­ht. (mehr dazu)

Pub­lika­tion:

W³ Studie: OÖ Strate­gie für KMU und Fam­i­lienun­ternehmen 2030