Wie wer­den Klassen­z­im­mer in zehn Jahren ausse­hen? Wozu braucht es noch Lehrer, wenn es kün­stliche Intel­li­genz gibt? Was wer­den Kinder in Zukun­ft ler­nen und wie kann ein gerecht­es Bil­dungssys­tem ausse­hen? Antworten auf diese und andere Fra­gen sucht­en Schü­lerin­nen und Schüler der 6N1 des Gym­na­si­ums Dachs­berg. Pro­jek­tlei­t­erin Prof. Mag. Nina Gader­er und Klassen­vor­stand Prof. Mag. Manuel Graf sowie das Team der ACADEMIA SUPERIOR unter­stützten sie dabei seit mehreren Monat­en, organ­isierten Work­shops mit Bil­dung­sex­perten und halfen bei der Recherche.

Schließlich präsen­tierten die Schü­lerin­nen und Schüler die Antworten auf ihre Fra­gen bei den Dachs­berg­er Zeit­ge­sprächen 2018 in fünf Kurzvideos und disku­tierten die Her­aus­forderun­gen vor denen das Schul­sys­tem ste­ht mit Exper­tin­nen und Experten. Nach der Ver­anstal­tung kon­nte das Pub­likum noch auf einem „Mark­t­platz der Bil­dung“ mit den anwe­senden Schülern und Bil­dung­sex­perten wei­t­er­disku­tieren.

Wozu Bildung?

Schule sollte nicht vordefinierten Inter­essen dienen, son­dern den Schü­lerin­nen und Schülern Eigen­ver­ant­wor­tung über­tra­gen und sie zum Quer­denken anre­gen, darüber war sich das Podi­um der 4. „Dachs­berg­er Zeit­ge­spräche“ am 27.4.2018 einig. Haush­err und Direk­tor Mag. Pater Fer­di­nand Kar­er bedauerte eine zunehmende Bürokratisierung des Schul­sys­tems und dass es zwar viele Änderun­gen im Sys­tem gegeben hätte, aber keinen echt­en Wan­del. Den „Mut zum Wan­del“ hat er mit der Ein­führung der „Flexzeit“ am Gym­na­si­um Dachs­berg gewagt und macht damit gute Erfahrun­gen.

„Das Ziel der Bil­dung ist das Men­schw­er­den.“ – Direk­tor Mag. P. Fer­di­nand Kar­er

Das human­is­tis­che Bil­dungsziel ist für den Obmann Dr. Michael Strugl das opti­mistis­che Ide­al. Den Lehrerberuf aufzuw­erten, nan­nte er einen wichti­gen Ansatzpunkt: „denn, wenn wir die besten Päd­a­gogin­nen und Päd­a­gogen haben, haben wir auch gute Schulen.“ Beson­ders wichtig für ihn: die Bil­dungs­de­bat­te ide­ol­o­gisch entkop­peln und sich an den Fähigkeit­en und Tal­en­ten der Schü­lerin­nen und Schüler ori­en­tieren. „Chan­cen­gerechtigkeit heißt nicht Gle­ich­heit: Damit alle die gle­iche Chance haben, braucht jed­er etwas anders,“ meinte Michael Strugl mit Ver­weis auf das Buch von Markus Hengstschläger „Die Durch­schnitts­falle“.

„Für alle das Gle­iche ist nicht gerecht.“ – Lan­deshaupt­mann-Stv. Dr. Michael Strugl

Wie funktioniert Bildung in Zukunft?

Teach for Aus­tria begin­nt im Herb­st auch in Oberöster­re­ich, soge­nan­nte „Fel­lows“ an Bren­npunk­tschulen einzuset­zen. Quere­in­steiger und Stu­di­en­ab­sol­ven­ten aller Stu­di­en­rich­tun­gen, unter­richt­en dabei zwei Jahre lang als voll­w­er­tige Lehrkräfte und ver­suchen so, in beson­ders schwieri­gen Umfeldern Chan­cen­gerechtigkeit zu fördern und Lebenswege pos­i­tiv zu bee­in­flussen. Für den Oberöster­re­ich-Direk­tor von Teach for Aus­tria Bern­hard Rein­gru­ber ste­ht dabei weniger das Sys­tem, als die Men­schen im Zen­trum: „Es geht nicht darum, wie man den Unter­richt und Schule anders gestal­tet, son­dern wie wir Lehrerin­nen und Lehrer am besten unter­stützen kön­nen.“

„Exzel­lente Lehrer kön­nen Lebenswege verän­dern.“ – Bern­hard Rein­gru­ber, MSc

Hel­ga Geyreck­er, MAS, ist COOL-Koor­di­na­torin am Schulzen­trum Ybbs und hat durch den päd­a­gogis­chen Ansatz des „Coop­er­a­tiv­en Offe­nen Ler­nens“ wieder neue Freude am Lehrerberuf geschöpft. Dieser struk­turi­erte und teils offene Unter­richt ermöglicht den Schü­lerin­nen und Schülern, ihr eigenes Poten­zial zu fördern und selb­st­ständig mit Arbeit­saufträ­gen zu ler­nen. „Die Schü­lerin­nen und Schüler freuen sich auf den COOL-Tag, und das färbt auf den anderen Unter­richt ab,“ so Geyreck­er. Derzeit gibt es 800 Päd­a­gogin­nen und Päd­a­gogen an 70 zer­ti­fizierten COOL-Schulen in Öster­re­ich, die ein Net­zw­erk für diese neue Unter­richts­form bilden und sich aus­tauschen.

„Durch COOL habe ich einen neuen Zugang zum Lehrerda­sein bekom­men.“ – Hel­ga Geyreck­er, MAS

Der Rek­tor der katholis­chen Pri­vatu­ni­ver­sität Linz, Univ.-Prof. Dr. Franz Gru­ber, sieht die Schule als Abbild der Gesellschaft und wün­schte sich, die großen Fra­gen und Her­aus­forderun­gen der Zukun­ft in der Bil­dung gut abge­bildet zu wis­sen: „Alle 8 Mil­liar­den Men­schen auf der Welt sollen ohne Armut leben und unseren Plan­eten dabei nicht zugrunde richt­en,“ sieht er als Auf­trag an die Zukun­ft.

„Wir müssen ler­nen als eine Welt, eine Zukun­ft zu gestal­ten.“ – Rek­tor Univ.-Prof. Dr. Franz Gru­ber

Per Videobotschaft klinkt sich in den Abend auch ein Schulkol­lege ein, der in Aus­tralien ein Semes­ter ver­bringt. Der öster­re­ichis­che Bil­dungs­stan­dard genieße dort ein hohes Anse­hen. Am Aus­tralis­chen Schul­sys­tem gefällt ihm die Offen­heit. „Da gehört auch Sur­fen zum Stun­den­plan,“ so Valentin Ennser.

Im Anschluss an die Film­präsen­ta­tion und Podi­ums­diskus­sion kon­nten die Gästen der Ver­anstal­tung am „Mark­t­platz der Bil­dung“ noch inten­siv wei­t­er­disku­tieren und Ideen mit den Jugendlichen und Experten aus­tauschen.

Meinungen weiterer anwesender Experten

Auch für Peter Eisel­mair, MAS MSc., Geschäfts­führer der Edu­ca­tion Group, müssen die Päd­a­gogen im Zen­trum der Anstren­gun­gen ste­hen: „Nur, wenn wir diese best­möglich unter­stützen und den Lehrerin­nen und Lehrern helfen, kön­nen wir uns gute Ergeb­nisse erwarten.“ Laut Eisel­mair ist es kein Zufall, dass ger­ade Päd­a­gogen in Öster­re­ich beson­ders hohe Burn-Out-Rat­en aufweisen. Er ver­weist auf die höhere Wertschätzung für den Lehrerberuf in Finn­land hin, wo gle­ichzeit­ig auch sehr streng aus­gewählt wird, wer Lehrer wer­den darf. Dr. Gabriele Zehet­ner von der Päd­a­gogis­chen Hochschule der Diözese Linz ver­wies etwa in Diskus­sio­nen zum The­ma Neugi­er auf die Wichtigkeit der Langeweile hin. Diese Zeiträume, in denen unsere Aufmerk­samkeit nicht von etwas ein­genom­men wird, sind ein­er­seits wichtig für die Entwick­lung und die Erhol­ung des Gehirns und ander­er­seits zeigt die Langeweile, wie groß das Inter­esse an Neuem bei jeman­dem ist.