
E‑Bikes haben ein deutlich anderes Nutzungsprofil als herkömmliche Fahrräder. Modellrechnungen zeigen, dass 63,2 Prozent der mit E‑Bikes zurückgelegten Kilometer ohne E‑Bike mit dem Auto gefahren worden wären (43,1 Prozent aller E‑Bike-Fahrten). Damit verlagern E‑Bikes nicht primär Wege vom Zufußgehen oder vom öffentlichen Verkehr, sondern vor allem vom Pkw. Besonders stark zeigt sich dieser Effekt bei mittleren und längeren Alltagsdistanzen, die mit klassischen Fahrrädern selten zurückgelegt werden. Das erklärt, warum der Anteil der „ersetzten Autokilometer“ höher ist als der Anteil der „ersetzten Autofahrten“: E‑Bikes übernehmen überproportional viele Strecken, die sonst mit dem Auto gefahren würden.
Die Studie verdeutlicht darüber hinaus, dass E‑Bikes vor allem auf Pendlerdistanzen zwischen fünf und fünfzehn Kilometern genutzt werden und damit in einem Bereich wirken, in dem sie nicht nur das Fahrrad, sondern in hohem Maße auch das Auto verdrängen. In hügeligen Regionen oder auf steileren Routen ist der Verlagerungseffekt vom Pkw zum E‑Bike besonders ausgeprägt, da die elektrische Unterstützung entscheidend für die Wahl dieses Verkehrsmittels ist. E‑Bike-Nutzerinnen und ‑Nutzer legen im Schnitt längere Strecken pro Fahrt zurück als klassische Radfahrerinnen und Radfahrer, was die hohe Substitutionsrate von Autokilometern zusätzlich erklärt. Neben den klimapolitischen Vorteilen führt die verstärkte Nutzung von E‑Bikes zugleich zu einem Mehr an körperlicher Aktivität, wenn auch in geringerem Ausmaß als beim herkömmlichen Radfahren.
Damit ist der Befund verkehrs- und klimapolitisch hoch relevant. Weil überwiegend Autokilometer substituiert werden, entsteht ein unmittelbares CO₂-Einsparpotenzial – vorausgesetzt, die E‑Bikes werden mit einem klimafreundlichen Strommix betrieben und zusätzliche Leerkilometer vermieden. Für Kommunen und Betriebe ergibt sich daraus die klare Handlungsperspektive, E‑Bike-Programme gezielt dort zu fördern, wo heute besonders viele Pkw-Kilometer anfallen. Dazu gehören sichere Abstellanlagen, Ladeinfrastruktur, Dienstradmodelle und der Ausbau von Radwegen entlang wichtiger Pendelrouten.
Quelle:
- Vinke, C. & Kroesen, M. (2025): Further, steeper, greener: Implications from an electric bicycle mode choice model. International Journal of Sustainable Transportation. https://doi.org/10.1080/15568318.2025.2533307


