Wir leben in ein­er Zeit, in der sich nicht nur die Zukun­ft, son­dern auch unsere Vorstel­lung der Zukun­ft rasch verän­dert. Dig­i­tale Tech­nolo­gien nehmen einen immer größeren Ein­fluss auf unsere Welt. Das macht die Welt, in der wir leben, ein­er­seits abse­hbar­er oder sog­ar steuer­bar – etwa bei der Frage, wann Ver­schleißer­schei­n­un­gen bei Maschi­nen auftreten und Ersatzteile aus­ge­tauscht wer­den müssen –, ander­er­seits aber oft auch über­raschen­der – etwa bei unvorherge­se­henen Ein­flussnah­men auf Mei­n­ungs­bil­dung­sprozesse über dig­i­tale Kom­mu­nika­tion­skanäle.

Im Roman Die Ver­mes­sung der Welt von Daniel Kehlmann heißt es: „Wann immer einen die Dinge erschreck­ten, sei es eine gute Idee, sie zu messen.“ Das Buch han­delt von der Reise zweier deutsch­er Wis­senschafts­ge­nies, die unter­schiedlich­er nicht sein kön­nten. Bei­de wer­den durch ihren Forscher­drang getrieben und wollen die Welt ent­deck­en. Das Zitat zeigt auf, dass auch unsere zunehmende „Ver­mes­sung der Zukun­ft“ zwei zen­tralen und zutief­st men­schlichen Instink­ten entstammt: dem Bedürf­nis nach Sicher­heit und dem Bestreben, Neues zu ent­deck­en.

„UNSERE VORSTELLUNG ÜBER DIE ZUKUNFT VERÄNDERT SICH MIT NEUEN TECHNOLOGIEN SEHR RASCH.“

Wenn wir nicht wis­sen, was auf uns zukommt, wenn wir unsich­er in Entschei­dun­gen sind, tut es gut, Tech­nolo­gien zur Ver­fü­gung zu haben, die uns dabei helfen, Dimen­sio­nen darzustellen, Sachver­halte einzuord­nen, Mei­n­ungs­bilder zu erheben, Ver­hält­nis­mäßigkeit­en zu erken­nen und Ergeb­nisse zu kat­e­gorisieren. So gewonnene Erken­nt­nisse leit­en uns in unseren Über­legun­gen, Strate­gien und Hand­lun­gen an. Das bietet eine ver­meintliche Sicher­heit. Diese Genauigkeit stellte sich manch­mal auch als irreführend her­aus. Und das wirft unweiger­lich die Frage auf: Was, wenn sich der Spieß umdreht? Wenn der Ver­mess­er zum Ver­messe­nen wird? Wenn nicht wir die Tech­nolo­gie, son­dern die Tech­nolo­gie uns lenkt oder gar bee­in­flusst? Ist messen und gemessen wer­den ein Geben und Nehmen? Führt die „Ver­mes­sung der Zukun­ft“ zu besseren Ergeb­nis­sen und mehr Ver­ständ­nis oder sug­geriert sie nur ein Gefühl von Sicher­heit?

Privatsphäre: Das große Ganze

Pri­vat­sphäre ist ein wichtiges und beschützenswertes Gut. Das ist ein poli­tis­ch­er und gesellschaftlich­er Auf­trag. Jedoch gehen die meis­ten Men­schen angesichts tech­nol­o­gis­ch­er Möglichkeit­en, bewusst oder unbe­wusst, aus fehlen­der Ken­nt­nis oder aus Überzeu­gung, aus Bequem­lichkeit oder aus Man­gel an Alter­na­tiv­en, mit ihrer Pri­vat­sphäre wenig sorgsam um.

Auf der einen Seite ste­ht also der Schutz der Pri­vat­sphäre, der für Bürg­erin­nen und Bürg­er um jeden Preis gewahrt wer­den soll. Auf der anderen Seite ste­ht die Idee des Teilens von Dat­en für bessere und genauere Analy­sen und Vorher­sagen zum Wohle der Gesamtheit („shar­ing is car­ing“). Dazwis­chen tut sich ein schmaler Grat für einen offe­nen Dia­log zwis­chen Poli­tik, Gesellschaft und Wirtschaft auf. Um hier geeignete Rah­menbe­din­gun­gen zum Schutz des Einzel­nen und dem Wohl der Gesamtheit zu schaf­fen, ist die inter­na­tionale Gemein­schaft
gefordert.

„WIR DÜRFEN NICHT NUR AUF SICHT FAHREN, SONDERN MÜSSEN WEITER VORAUSDENKEN.“

Soziale Roboter mit klaren Spielregeln für Mensch und Maschine

Angesichts des demografis­chen Wan­dels ste­hen wir sowohl im Bere­ich der Arbeit­skräfte als auch im Bere­ich der Pflege und Für­sorge vor großen Her­aus­forderun­gen. Soziale Robot­er, die in diesen Belan­gen unter­stützen, kön­nten eine große Bere­icherung für den Erhalt beste­hen­der Sys­teme darstellen. So para­dox das klin­gen mag, ist der tech­nol­o­gis­che Fortschritt hier möglicher­weise ger­adezu ein Schlüs­sel für mehr Men­schlichkeit und Würde im Umgang miteinan­der.

Voraus­set­zung für das Gelin­gen dieses Entwick­lungss­chrittes ist ein klares Set an Spiel­regeln sowohl für Robot­er als auch die Men­schen, denen sie zum Nutzen dienen sollen. Ein Bestreben muss sein, hier gemein­sam Mod­elle zu entwer­fen, die einen ethis­chen und respek­tvollen Umgang miteinan­der pfle­gen.

Die Summe zweier Welten

Die analoge gegen die dig­i­tale Welt auszus­pie­len, ist in Zeit­en wie diesen für bei­de ein Schritt in die falsche Rich­tung. In den Diskus­sio­nen wurde mehrfach betont, dass man nicht beste­hende fehler­hafte Sys­teme mit per­fek­ten dig­i­tal­en Lösun­gen ver­gle­ichen darf, son­dern mit genau­so fehler­be­hafteten, aber vielle­icht in der Gesamtheit besseren dig­i­tal­en Lösun­gen. Ist der Anspruch an 100% unfall­freie selb­st­fahrende Fahrzeuge gerecht­fer­tigt, solange Men­schen im Straßen­verkehr weit mehr Unfälle verur­sachen? Es geht hier also darum, die gegen­seit­i­gen Erwartun­gen und Hoff­nun­gen an neue Tech­nolo­gien in einen real­is­tis­chen Rah­men zu set­zen.

Die Frage wird sein: Wie kön­nen wir diese neuen Tech­nolo­gien inte­gri­eren, damit unsere Gesellschaft trotz­dem wertschätzend, wohlwol­lend, offen, kri­tik­fähig und ver­ant­wor­tungs­be­wusst bleibt? Nur so wird es gelin­gen, dass die Summe der bei­den Wel­ten mehr ergibt als ihre Einzel­teile.