
Wie umweltbewusst antwortet künstliche Intelligenz? Eine aktuelle Studie stellte 31 verbreiteten Sprachmodellen dieselben Fragen, mit denen seit Jahren die Umwelteinstellungen der deutschen Bevölkerung untersucht werden. Verglichen wurden unter anderem Umweltwissen, emotionale Betroffenheit und Empfehlungen für klimafreundliches Verhalten.
Das überraschende Ergebnis: 19 der 31 Modelle erzielten sowohl beim Umweltbewusstsein als auch bei der emotionalen Betroffenheit höhere Werte als der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung im Jahr 2024. Nur vier Modelle lagen in beiden Bereichen darunter. Insgesamt bewegten sich die Antworten der meisten Modelle dennoch innerhalb des gesellschaftlichen Mainstreams.
Besonders auffällig: Alle untersuchten Modelle ähnelten in ihren Antworten eher den umweltbewussten und ambivalenten Bevölkerungsgruppen. Keines ließ sich systematisch den klimaskeptischen Gruppen zuordnen. Woher ein Modell stammt, wie groß es ist oder wann es veröffentlicht wurde, erklärte diese Unterschiede kaum. (arXiv)
Das bedeutet allerdings nicht, dass KI ein eigenes Umweltbewusstsein besitzt. Sprachmodelle erzeugen Antworten aus ihren Trainingsdaten und den Regeln, nach denen sie ausgerichtet wurden. Zudem reagierten sie empfindlich auf den Kontext: Wurde ihnen eine bestimmte politische Haltung vorgegeben, passten sie ihre Aussagen teilweise daran an. Ihre scheinbar „grüne Haltung“ ist damit keine stabile Überzeugung, sondern ein veränderbares Antwortmuster. (arXiv)
Für Nutzerinnen und Nutzer ist das ein wichtiger Hinweis: KI liefert auch bei Umweltfragen keine völlig wertfreie Perspektive. Sie klingt häufig umweltbewusster als der gesellschaftliche Durchschnitt, kann ihre Position aber zugleich an die Erwartungen ihres Gegenübers anpassen.
Quelle:
- Kunkel, S., Hartwig, T., Voss, M., Schütt, E. K., & Gellrich, A. (2026). Greener than humans? Environmental attitudes in large language models [Preprint]. arXiv. https://doi.org/10.48550/arXiv.2606.02741


