Meinungsfreiheit unter Druck

High-Level-Roundtable mit Prof. Carson Holloway

Am 15. Dezem­ber 2025 fand am MED Cam­pus I in Linz ein High-Lev­el-Round­table mit Prof. Car­son Hol­loway (Uni­ver­si­ty of Nebras­ka Oma­ha) statt. Die Ver­anstal­tung wurde von ACADEMIA SUPERIOR in Koop­er­a­tion mit der US-Botschaft durchge­führt. Im Zen­trum stand die Frage, wie Mei­n­ungs­frei­heit unter Bedin­gun­gen zunehmender gesellschaftlich­er Polar­isierung ver­standen und ein­ge­ord­net wer­den kann.

Prof. Hol­loway, Poli­tik­wis­senschafter und Experte für poli­tis­che Philoso­phie sowie die amerikanis­che poli­tis­che Tra­di­tion, eröffnete den Round­table mit einem inhaltlichen Impuls. Er betonte, dass Mei­n­ungs­frei­heit ein zen­trales Ele­ment demokratis­ch­er Ord­nun­gen darstellt, jedoch nicht als uneingeschränk­tes Recht zu ver­ste­hen sei. Dort, wo Rede gezielt schadet, bewusst falsche Tat­sachen ver­bre­it­et oder poli­tis­che Gewalt legit­imiert, stoße sie an ihre Grenzen.

Ein Schw­er­punkt der Diskus­sion lag auf der Rolle klas­sis­ch­er Medi­en und dig­i­taler Plat­tfor­men. In diesem Zusam­men­hang ver­wies Prof. Hol­loway auf den amerikanis­chen Staats­mann und einen der Grün­derväter der USA, Alexan­der Hamil­ton, und zitierte dessen Ver­ständ­nis von Presse­frei­heit: „The lib­er­ty of the press con­sists in pub­lish­ing the truth, from good motives, and for jus­ti­fi­able ends.“ Dieses his­torische Ver­ständ­nis verdeut­liche, dass Mei­n­ungs­frei­heit von Beginn an mit Ver­ant­wor­tung und Wahrheit­sori­en­tierung ver­bun­den gewe­sen sei.

Darüber hin­aus ging Prof. Hol­loway auf die Recht­sprechung des Ober­sten Gericht­shofs der Vere­inigten Staat­en ein. Er führte aus, dass der Schutz der Mei­n­ungs­frei­heit in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten zunehmend weit aus­gelegt wor­den sei. Im Ver­gle­ich dazu sei die europäis­che Recht­stra­di­tion stärk­er durch vorge­lagerte Regelun­gen geprägt, während Ein­schränkun­gen in den USA über­wiegend ex post erfol­gten, etwa bei Has­srede oder vorsät­zlich falschen Tatsachenbehauptungen.

In der anschließen­den Diskus­sion wur­den diese Per­spek­tiv­en ver­tieft. Disku­tiert wur­den ins­beson­dere die Ver­ant­wor­tung von Insti­tu­tio­nen und Führungskräften für Kom­mu­nika­tion­sräume sowie die Voraus­set­zun­gen für Dialogfähigkeit und Ver­trauen in einem zunehmend polar­isierten gesellschaftlichen Umfeld.

Der begren­zte Teil­nehmerkreis aus Wis­senschaft, Wirtschaft, Ver­wal­tung und Zivilge­sellschaft ermöglichte einen offe­nen und konzen­tri­erten Austausch.

Zen­trale Erkenntnisse

  • His­torische Konzepte von Presse­frei­heit beto­nen Wahrheit und Moti­va­tion stärk­er, als es aktuelle Debat­ten oft erken­nen lassen.
  • Unter­schiedliche Recht­stra­di­tio­nen prä­gen den Umgang mit Mei­n­ungsäußerun­gen in Europa und den USA auf jew­eils eigene Weise.
  • Die Aus­gestal­tung von Kom­mu­nika­tion­sräu­men ist eine zen­trale Auf­gabe von Insti­tu­tio­nen und Führungskräften.

Faz­it

Der Round­table zeigte, dass Mei­n­ungs­frei­heit poli­tis­che Gestal­tung erfordert. Entschei­dend ist, wie rechtliche Rah­men, insti­tu­tionelle Prax­is und medi­ale Ver­ant­wor­tung so zusam­men­spie­len, dass offene Debat­ten möglich bleiben, ohne gesellschaftliche Spal­tun­gen weit­er zu vertiefen.

Part­ner