Authentizität und Ehrlichkeit: Der Weg zur Perfektion

Das Interview mit dem Objektkünstler Norbert Brunner beim SURPRISE FACTORS SYMPOSIUM 2015 in Gmunden

Nor­bert Brun­ner war Experte beim heuri­gen SURPRISE FACTORS SYMPOISUM „From Good to Great“ in Gmunden.

Norbert Brunner im Interview

Als Kün­stler sehe ich den Weg zu den Besten als eine andere Art der Her­aus­forderung. Es ist nicht die Her­aus­forderung, etwas Neues zu machen. So, wie ich das sehe, muss ich etwas anders machen. Es fängt damit an, dass ich akzep­tiere, was an mir selb­st anders ist. Oder, wenn man über eine Region spricht, über Oberöster­re­ich, begin­nt man mit den vorhan­de­nen Begabun­gen, dem indi­vidu­ellen Tal­ent. Das ist das Geschenk. Das ist, was man geben kann.

Als ich an der Uni­ver­sität war, habe ich es geliebt, wenn ein Pro­fes­sor darüber gesprochen hat, wie man etwas auf eine Art betra­cht­en kann – und gle­ich danach erk­lärte einem ein ander­er Pro­fes­sor, wie man dieselbe Sache völ­lig anders sieht. Meine Reak­tion war, das ist super! Weil jet­zt bin ich völ­lig ver­loren! Und das bedeutet, ich muss sel­ber damit klarkom­men. Das habe ich daraus gel­ernt: In der Kun­st gibt es keine Regeln.

MindMap: Interview mit Norbert Brunner (dt)
MindMap: Inter­view mit Nor­bert Brun­ner (dt)

Aber man muss auch ler­nen, sein eigen­er bester Kri­tik­er zu sein. Ich habe immer eine Strate­gie für jedes Pro­jekt, das ich übernehme. Aber ich muss auch einen Blick auf das Pro­jekt haben, während sich der Prozess entwick­elt und in der Lage sein zu erken­nen, was passiert. Ich muss erken­nen, dass der Effekt, den ich erzie­len will, möglicher­weise nicht funk­tion­iert. Dann muss ich es verän­dern, daraus ler­nen, und in der Lage sein, daran als Kün­stler zu wach­sen. Was ich von mein­er Kun­st möchte, ist ihre Inten­sität fühlen. Ich möchte fühlen, dass sie authen­tisch ist und ich möchte die Stimme hören, die durch die Arbeit dringt. Ich möchte nicht lehren son­dern Bewusst­sein schaf­fen!

Harte Arbeit ist immer wichtig. Aber die schwerste Arbeit ist es, sich selbst zu erkennen

Als Kün­stler suche ich nach Erfahrun­gen, in denen ich irgend­wie ver­loren bin. Ich musste mich entschei­den: Soll ich nach New York oder nach Japan gehen, um kün­st­lerisch tätig zu sein? Ich entsch­ied mich für Japan, denn als West­lich­er kan­nte ich New York bere­its. Und ich wusste, wenn ich nach Japan gehe, werde ich mit viel größeren Unter­schieden kon­fron­tiert sein. Ich wollte diese Unter­schiede wahrnehmen und daraus ler­nen. Japan war für mich eine Meta­pher. In Japan lernte ich, dass es schön ist, anders zu sein und dass wir alle anders sein dür­fen. Ich wusste für mich selb­st, wenn ich das erkenne, werde ich sowohl als Per­son als auch als Kün­stler stärk­er.

Wenn Oberöster­re­ich den Weg zu den Besten gehen will, fangt bei den Stärken an: Was sind die wirk­lich großen Ziele? Wie konzen­tri­ert man sich darauf? Fokussiert darauf, was euch unter­schei­det – das sind die Schätze, die ihr habt. Was habt ihr, das ihr der Welt zeigen kön­nt? Was weiß die Welt noch nicht? Das ist es, was einen einzi­gar­tig macht. Erken­nt diese Unter­schiede und fokussiert darauf.

So bin ich ein Kün­stler gewor­den. Ich wurde nicht als Kün­stler geboren. Ich hat­te keine Ahnung, was Kun­st war. Es war ein Prozess, Schritt für Schritt. Um Kün­stler zu wer­den, musste ich als Teil der Entwick­lung ver­loren gehen. Natür­lich fühlt sich das nicht gut an, wenn du ver­loren gehst. Das ist schw­er. Es gefällt einem nicht. Aber es ist wichtig in ein­er Sit­u­a­tion zu sein, wo man sich anders fühlt, eine Sit­u­a­tion, wo man nicht mit einem Ort ver­wurzelt ist. Für mich ist das die schwierig­ste Auf­gabe meines Lebens – mich selb­st zu erken­nen und als Folge dieser Selb­sterken­nt­nis zu wach­sen.

Für mich gibt es nur eine große Revolution und das ist Authentizität

Am Ende des Tages, wenn du alleine in deinem Zim­mer vor dem Spiegel stehst, musst du dich fra­gen: Bin ich noch ehrlich? Kommt das, was ich sage, tief aus meinem Herzen? Es ist sehr harte Arbeit, authen­tisch zu bleiben. Es ist harte Arbeit, sich dafür zu entschei­den, echt zu sein anstatt berühmt. Es gibt Ruhm und es gibt Geld und wenn man sich in sein­er Kar­riere nach oben bewegt, kön­nen sie zur Ablenkung wer­den. Sie kön­nen einen weg von dem führen, was für einen als Kün­stler echt ist. Schließlich ist die echte Qual­ität in der Kun­st Authen­tiz­ität.

Zur Person

Nor­bert Brun­ner ist  öster­re­ichis­ch­er Objekt- und Instal­la­tion­skün­stler dessen Arbeit­en weltweit aus­gestellt wer­den. Er sieht seine Arbeit, als Möglichkeit, in einen ener­getisierend Kom­mu­nika­tion­sprozess mit den Betra­ch­terin­nen und Betra­chtern sein­er Objek­te, zu treten. Brun­ner absolvierte die Meis­terk­lasse für Bild­hauerei an der Uni­ver­sität für ange­wandte Kun­st in Wien. Seine Objek­te und Instal­la­tio­nen sind weltweit einzi­gar­tig. Eines sein­er berühmtesten Werke ist eine 6 Meter große Instal­la­tion, die er 2013 für den Guer­lain-Flag­ship-Store in Paris ent­warf.

Noch während sein­er Aus­bil­dung ent­deck­te Brun­ner ander­sar­tige Kun­st als wichtig­sten Fak­tor für per­sön­lichen Erfolg. Die Ander­sar­tigkeit sein­er Objek­te und Instal­la­tio­nen beste­ht aus der Kom­bi­na­tion der Mate­ri­alien, der Anord­nung der einzel­nen Ele­mente und der Strate­gie, die er mit seinen Werken ver­fol­gt.

Brun­ner ver­wen­det für seine Werke beispiel­sweise Spiegel, Acryl­glas, Swarovs­ki-Kristalle und fotografis­che Drucke. Sie beste­hen aus zahlre­ichen Punk­ten, die nur aus einem bes­timmten Blick­winkel betra­chtet ein Bild ergeben. Nor­bert Brun­ner will damit die Selb­stre­flex­ion der Betra­ch­terin­nen und Betra­chter fördern und eine Brücke zwis­chen Kun­st und Men­schen schla­gen.