Die langjährige ORF Korrespondentin in China Cornelia Vospernik schilderte unter dem Titel “China ante Portas” so eindrucksvoll wie unterhaltsam den Deal zwischen Regierung und Volk: “Wir machen euch reich und ihr seid dafür still.”

Der chinesische Deal: Wir machen euch reich, dafür seid ihr still

Die Chinaexpertin Cornelia Vospernik war im Gespräch mit Markus Hengstschläger beim ersten ACADEMIA SUPERIOR DIALOG mit mehr als 400 Gästen im Linzer Schloss.

“Das chinesische System lässt sich am besten als autoritärer Kapitalismus beschreiben”, meint die langjährige ORF-Chinakorrespondentin Cornelia Vospernik im Gespräch mit Markus Hengstschläger beim ersten ACADEMIA SUPERIOR DIALOG. Mehr als 400 BesucherInnen verfolgten den Dialog im Linzer Schloss am 1. März 2011. Vospernik schildert auf eindrucksvolle Weise, wie der chinesische Deal zwischen Regierung und Volk funktioniert: “Wir machen euch reich und ihr seid dafür still.” Einer relativ großen Mittelschicht sind die gängigen Konsumgüter zugänglich, das Handynetz ist in ganz China perfekt ausgebaut. Die großen Städte und die Infrastruktur sind kaum von typisch amerikanischen Städten zu unterscheiden. “Wenn nicht das Flugticket China ausweisen würde, könnte man genauso meinen, man sei in einer US-Großstadt gelandet”, schildert Vospernik ihr erstes Ankommen in Peking.

Kontrolle und platte Propaganda

Auch wenn das Regime das Leben kontrolliert und abhört, hat Vospernik sich nicht permanent überwacht gefühlt und sie wurde auch in ihrer Arbeit als Jounalistin nicht behindert: “Da höre ich aber jetzt auch andere Dinge”. Die Propaganda hat sie als “total platt” erlebt. Chinesische Medien sind von offiziellen Staatsjournalisten geprägt und die Berichterstattung funktioniert immer nach demselben Muster: “Unsere Führung ist sehr gut. Unter unserer Führung geht es uns sehr gut. Und so schlecht geht es dem Rest der Welt.”

Ausbildung und materieller Reichtum sind die großen Ziele

In China hat Bildung einen enorm hohen Stellenwert: “Erziehung heißt allerdings dort Drill. Es sitzen 60 Kinder in der Schulklasse und werden im totalen Frontalvortrag unterrichtet. Eine Aufnahme in eine der begehrten Eliteunis ist das höchste Ziel. Individuelle Förderung von Begabungen und Talenten eines Schülers kennt das chinesische Bildungssystem nicht.” Vospernik charakterisiert die chinesische Mentalität und ihre Stärke so: “Man spürt eine große Gelassenheit und Genügsamkeit bei den Chinesen, gepaart mit einem gewissen Stolz. Man spürt aber auch einen gewissen Druck, erfolgreich sein zu müssen um den Aufstieg in die Mittelschicht zu schaffen.” Angesprochen auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und China meint die Expertin: “Da ist Österreich ohnehin sehr gut unterwegs.”