DIALOG mit Birgit Minichmayr

Die Kunst, jemand anderes zu sein. Was uns Schauspiel über uns selbst erzählt.

Am 2. Novem­ber 2026 war die Schaus­pielerin Bir­git Minich­mayr beim DIALOG der ACADEMIA SUPERIOR an der Anton Bruck­n­er Pri­vatu­ni­ver­sität in Linz zu Gast. Mit Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger sprach sie über die Arbeit an Rollen, die Frei­heit der Kun­st und darüber, was vom Büh­nengeschehen im eige­nen Leben bleibt. Im Mit­telpunkt stand die Frage, wie es gelingt, sich auf andere Men­schen und ihre Lebenswel­ten einzulassen.

Offenheit für andere Sichtweisen

ACAD­E­MIA-SUPE­RI­OR-Obfrau LH-Stv.in Mag.a Chris­tine Haber­lan­der begrüßte die Gäste und führte in das The­ma des Abends ein. Für ACADEMIA SUPERIOR gehöre die Offen­heit für andere Sichtweisen zur Beschäf­ti­gung mit der Zukun­ft. Das Gespräch zwis­chen Kun­st und Wis­senschaft griff damit eine Frage auf, die auch unser Zusam­men­leben prägt: Wie ver­ste­hen wir Men­schen, deren Erfahrun­gen sich von den eige­nen unterscheiden?

„Bir­git Minich­mayr ist eine beein­druck­ende Kün­st­lerin, die auf den Büh­nen der Welt zuhause ist. Beson­ders ehrt uns, dass sie uns bei der Acad­e­mia Supe­ri­or an ihren Gedanken und Ideen teil­haben lässt.“ — Chris­tine Haberlander

Prof. Gui­do Baehr hieß das Pub­likum als Vertreter der gast­geben­den Uni­ver­sität willkom­men. Peter Augen­do­pler, Eigen­tümer des PANEUM und Vertreter des Ver­anstal­tungspart­ners, skizzierte die Bedeu­tung des Brotes für Kun­st und Kultur.

Kultur bringt Menschen auf neue Gedanken

Lan­deshaupt­mann Mag. Thomas Stelz­er, Vor­sitzen­der des Kura­to­ri­ums der ACADEMIA SUPERIOR, eröffnete den DIALOG. Er betonte Oberöster­re­ichs Rolle als Wirtschafts­stan­dort und Kul­tur­land und bekan­nte sich zur Anton Bruck­n­er Pri­vatu­ni­ver­sität. Kul­tur bringe Men­schen auf neue Gedanken und gebe ihnen den Anstoß, diese auch umzusetzen.

Stelz­er würdigte zudem die Arbeit von Schaus­pielerin­nen und Schaus­piel­ern. Sie beschäftigten sich mit großen Lebens­fra­gen und seien wache Begleit­er des aktuellen Geschehens. Ihre Darstel­lun­gen kön­nten berühren, ver­stören und dazu anre­gen, sich mit diesen Fra­gen auseinanderzusetzen.

„Kul­tur tut uns ein­fach gut.“ — Thomas Stelzer

Rollen entdecken und erarbeiten

Minich­mayr wuchs auf einem Bauern­hof in Pasching auf. Ihr Weg führte sie über das Max Rein­hardt Sem­i­nar an große deutschsprachige Büh­nen und ins Kino. Für ihre Rolle in „Alle anderen“ erhielt sie 2009 den Sil­ber­nen Bären als beste Darstellerin.

Die Arbeit an ein­er Rolle beginne für sie mit ein­er bewussten Entschei­dung. „Ja, ich glaube man kann alles spie­len – doch ich will nicht alles spie­len“, sagte sie. Nach erfol­gre­ichen Rollen wür­den oft ähn­liche Ange­bote fol­gen. Mit Absagen könne sie ver­hin­dern, darauf fest­gelegt zu werden.

Nach ein­er Zusage samm­le sie Texte, Beobach­tun­gen und Ein­drücke, die ihr bei der Annäherung an eine Fig­ur helfen. Am Beispiel ihrer Darstel­lung der Kün­st­lerin Maria Lass­nig schilderte sie, wie sie ver­schiedene Leben­salter kör­per­lich erar­beit­et habe. Vieles müsse so lange geübt wer­den, bis es selb­stver­ständlich werde.

„Große Weltlit­er­atur ist eine ständi­ge Ent­deck­ungsreise.“ — Bir­git Minichmayr

Was von einer Rolle bleibt

Eine The­ater­rolle entwick­le sich von Vorstel­lung zu Vorstel­lung weit­er. Dabei bleibe die eigene Per­son immer Teil des Spiels. Die Vorstel­lung, völ­lig in ein­er Rolle aufzuge­hen, sehe Minich­mayr kri­tisch. Wie stark eine Fig­ur den­noch nach­wirken könne, habe sie bei der „Medea“ erlebt: Nach einem schwieri­gen Monolog habe sich ihr Kör­p­er zunächst nicht beruhi­gen lassen.

Auch das Pub­likum sei Teil dieses Zusam­men­spiels. „Man hat einen stillen Dia­log mit dem Pub­likum und gewisse Fäden in der Hand“, beschrieb sie die Verbindung zwis­chen Bühne und Zuschauerraum.

Freiheit und Verantwortung der Kunst

Hengstschläger fragte auch, ob Kun­st irri­tieren müsse oder ein­fach unter­hal­ten dürfe. Minich­mayr wollte sich hier nicht fes­tle­gen und sprach sich für kün­st­lerische Frei­heit aus.

„Kun­st soll alles sein kön­nen.“ — Bir­git minichmayr

Zugle­ich könne Kun­st gesellschaftliche Entwick­lun­gen sicht­bar machen und zum Nach­denken anre­gen. Kri­tisch äußerte sich Minich­mayr über soziale Medi­en: Sie näh­men ihr Zeit und verkürzten kom­plexe Zusam­men­hänge. Für sich selb­st erlaube sie sich, darauf zu verzicht­en. Junge Schaus­pielerin­nen und Schaus­piel­er stün­den dage­gen unter Druck, sich dort eine große Fange­meinde aufzubauen.

Talent und gemeinsame Arbeit

Auch die Anfänge ihres Beruf­swegs kamen zur Sprache. Ihre Mut­ter habe sie früh ins Lan­desthe­ater mitgenom­men, ihre Eltern hät­ten Musik und Tanz gefördert. Tal­ent zu erken­nen und zu unter­stützen, sei wichtig. Eine abgeschlossene Schaus­pielaus­bil­dung führe jedoch nicht automa­tisch zu ein­er Karriere.

Zum Abschluss blick­te Minich­mayr dankbar auf ihren Beruf. Sie habe nicht erwartet, ihn unter so guten Bedin­gun­gen ausüben zu kön­nen. Beson­ders schätze sie die Zeit mit anderen Men­schen, denn „der Beruf find­et im Kollek­tiv statt“.

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